3. Besonderheiten in den einzelnen Behandlungsbereichen

Prophylaxe, Früherkennungsuntersuchungen
Soldatinnen und Soldaten haben ohne Altersbeschränkung Anspruch auf Leistungen zur Individualprophylaxe nach den BEMA-Nrn. IP 1, 2, 4 und 5.

Das Bonusheft wird bei Soldatinnen und Soldaten weitergeführt, damit sie nach Ausscheiden aus dem Wehrdienstverhältnis ihre Ansprüche auf höhere Festzuschüsse im GKV-System nachweisen können.

Eine professionelle Zahnreinigung (PZR) gehört grundsätzlich nicht zum Leistungsumfang der Bundeswehr. Ausnahmen sind für die Behandlung/Nachsorge von parodontalen oder periimplantären Erkrankungen sowie für die KFO-Behandlung vorgesehen.

Die Erhebung des PSI-Codes nach der BEMA-Nr. 04 ist - abweichend von der Abrechnungsbestimmung im BEMA - einmal je Kalenderjahr abrechenbar.

Vor der Behandlung mit Zahnersatz soll grundsätzlich ein craniomandibulärer Funktionsindex (CMD-Screening) erhoben werden. Das Screening ist als Analogleistung nach GOZ abrechenbar.

Konservierende Behandlung
Füllungen nach den Gebührennummern HR 1 bis HR 4 sind nicht genehmigungspflichtig. Einlagefüllungen gehören grundsätzlich nicht zum Leistungsumfang der utV, können im begründeten Einzelfall aber beantragt und genehmigt werden.

Kieferbruch, Kiefergelenkserkrankungen
Akute Versorgungen bei Verletzungen oder Erkrankungen im Bereich des Gesichtsschädels sind grundsätzlich nicht genehmigungspflichtig. Ausnahme: Verbandplatten, Aufbissbehelfe und dergleichen sind auch im Akutfall genehmigungspflichtig, jedoch kann die Genehmigung nachträglich eingeholt werden.

Aufbissbehelfe nach den BEMA-Nrn. K1 bis K3 sind vor der Behandlung zu beantragen. Leistungen nach den BEMA-Nrn. K4 und K6 bis K9 sind nicht genehmigungspflichtig.

Kieferorthopädische Behandlung
Eine kieferorthopädische Behandlung gehört zum Leistungsumfang der Bundeswehr, wenn

  • Kieferanomalien bei Soldatinnen/Soldaten während der Dienstzeit ein behandlungsbedürftiges Ausmaß entwickelt haben,
  • oder die Soldatin bzw. der Soldat sich bei Einstellung in die Bundeswehr bereits in KFO-Behandlung oder in der Retentionsphase befindet (Fortsetzung der Behandlung in der durch den bisherigen Kostenträger genehmigten Form).
Einmal pro Halbjahr ist eine PZR genehmigungsfähig; bei Übernahme der laufenden Behandlung gilt die PZR als mitgenehmigt.

Kombiniert kieferorthopädisch-kieferchirurgische Dysgnathie-Behandlung
Die Dysgnathie-Behandlung gehört nur dann zu utV, wenn die Kieferanomalie während der Dienstzeit ein schweres Ausmaß entwickelt hat, welches die kombinierte kieferorthopädisch-chirurgische Behandlung erfordert. Schwere Kieferanomalien sind in Anlehnung an die KFO-Richtlinie des G-BA definiert als angeborene Missbildungen des Gesichts und der Kiefer, skelletale Dysgnathien und verletzungsbedingte Kieferfehlstellungen. Die kieferchirurgischen Eingriffe erfolgen in der Regel in Sanitätseinrichtungen der Bundeswehr. Soweit zivile Kieferorthopäden die Diagnostik und Nachbehandlung durchführen, übernimmt die betreuende zahnärztliche Behandlungseinrichtung der Bundeswehr die Koordination zwischen Kieferorthopäden, der kieferorthopädischen Klinik und der Soldatin bzw. des Soldaten.

Systematische Behandlung von parodontalen und periimplantären Erkrankungen
Mit den aktuellen Änderungen hat das BMVg die in der PAR-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses enthaltenen Regelungen zur Befunderhebung, Diagnosestellung und Behandlung von Parodontalerkrankungen in weiten Teilen übernommen. Die Behandlung ist vorab genehmigungspflichtig und kann von Vertragszahnärzten mit den im GKV-Bereich festgelegten Formularen (Vordrucke 5a, 5b) beantragt werden. Eine chirurgische Therapie ist der Bundeswehr mitzuteilen, dazu kann der Vordruck 5c genutzt werden. Die Vergütung der Behandlungs- und UPT-Maßnahmen erfolgt nach BEMA. Besonderheiten sind:

  • Soweit vor Beginn der antiinfektiösen Therapie eine PZR durchgeführt werden soll, ist diese vorab genehmigungspflichtig und unter Ansatz der GOZ-Nr. 1040 zu beantragen.
  • Die Anwendung von Membranen (GTR/GBR) und/oder Schmelz-Matrix-Proteinen ist genehmigungsfähig und mit einem privaten (GOZ-)Heil- und Kostenplan vor der Behandlung zu beantragen.
  • Die vorgegebene Frequenz der UPT entspricht den Vorgaben der PAR-Richtlinie. Abweichend von der Richtlinie ist bei der Bundeswehr der Zeitraum, über den UPT-Leistungen erbracht werden sollen, auf zweieinhalb Jahren festgelegt, ohne dass es nach zwei Jahren eines Verlängerungsantrages oder einer Mitteilung bedarf.
  • Im Anschluss an die zweieinhalbjährige UPT soll die regelmäßige Nachsorge fortgeführt werden. Die Frequenz der Maßnahmen ist vom Zahnarzt bedarfsgerecht, aber ggf. unabhängig vom eingangs festgestellten Grad der Parodontitis festzulegen. Die Maßnahmen werden auf der Grundlage der GOZ vergütet und sind jährlich bei der Bundeswehr zu beantragen (privater Heil- und Kostenplan).

Die Regelungen zu parodontalen Erkrankungen gelten entsprechend für die Behandlung und Nachsorge periimplantärer Erkrankungen. Alle diesbezüglichen Leitungen sind mit privatem Heil- und Kostenplan zu beantragen.

Zahnärztlich-implantologische Behandlung
Die Versorgung mit Implantaten gehört grundsätzlich nicht zum Leistungsumfang der Bundeswehr. Ausnahmen stellen die in den Richtlinien des G-BA festgelegten Ausnahmeindikationen im Sinne von § 28 Abs. 2 Satz 9 SGB V und Ausnahmefälle dar. Die Versorgung der Soldatinnen und Soldaten wird in diesen Fällen meist in den Sanitätseinrichtungen der Bundeswehr vorgenommen.

Zahnersatz
Die Versorgung mit Zahnersatz (Kronen, Brücken und Prothesen, auch als Suprakonstruktion) wird Soldatinnen und Soldaten gewährt zur Erhaltung, Wiederherstellung und Verbesserung der Funktionstüchtigkeit des Kauapparates. Für die ersten vier und die letzten sechs Monate des Wehrdienstverhältnisses sind Einschränkungen vorgegeben: In diesen Zeiten werden nur Maßnahmen gewährt, die der Erhaltung oder Wiederherstellung der Dienstfähigkeit dienen oder Folgen einer Wehrdienstbeschädigung beseitigen.

Die in der Allgemeinen Regelung genannten Grundsätze zur Versorgung mit Zahnersatz sind an die Zahnersatzrichtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses angelehnt oder verweisen direkt darauf. Besonderheiten sind:

  • Unter wehrmedizinischen Aspekten (z. B. Auslandseinsatz, einsatzgleiche Verpflichtung) ist grundsätzlich eine festsitzende Versorgung anzustreben.
  • Adhäsivbrücken sind auch in der vollkeramischen Version genehmigungsfähig.
  • In begründeten Fällen sind funktionsanalytische Leistungen nach den Geb-Nrn. 8010, 8020 und 8050 GOZ genehmigungsfähig.

Funktionsanalytische/-therapeutische Leistungen
Funktionsanalytische und -therapeutische Leistungen (FAL/FTL) gehören nur zum Umfang der utV, wenn die Nichtbehandlung eine Einschränkung oder Gefährdung der Verwendungsfähigkeit zur Folge hätte. Alle Leistungen sind genehmigungspflichtig. Die Funktionsanalyse nach GOZ-Nr. 8000 kann im Nachhinein, die anderen Leistungen müssen vor der Behandlung beantragt und genehmigt werden.

Unterkieferprotrusionsschienen
Wie bisher schon, sind bei Vorliegen bestimmter Voraussetzungen (obstruktive Schlafapnoe, primäres Schnarchen bei Unterbringung in Gemeinschaftsunterkunft) Kostenübernahmen im Fall der Versorgung mit einer Unterkieferprotrusionsschiene (UKPS) möglich. Neu aufgenommen wurde die Bestimmung, dass bei der Befunderhebung und Durchführung der Behandlung die Vorgaben der Behandlungsrichtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses und der S3-Leitlinie 017-068 der AWMF zur Diagnostik und Therapie des Schnarchens zu berücksichtigen sind. Klargestellt ist ausdrücklich, dass die Versorgung mit UKPS grundsätzlich nur in Zahnärztlichen Behandlungseinrichtungen durch SanStOffz Zahnarzt erfolgt, die auf dem Gebiet der zahnärztlichen Schlafmedizin fortgebildet sind.

Das in Ziffer 889 der AR geregelte bundeswehrinterne Genehmigungserfordernis unter Verwendung des entsprechenden Bundeswehr-Vordrucks richtet sich demgemäß an die bundeswehrinternen zahnärztlichen Behandlungseinrichtungen. In Ausnahmefällen, z. B. bei Kapazitätsmangel, ist eine Überweisung zu einer zivilen Zahnarztpraxis möglich. Die Bundeswehr benötigt dann aus haushalterischen Gründen für ihre interne Kostenplanung vor der Behandlung eine Aufstellung über die voraussichtlich entstehenden Kosten (insbesondere Material- und Laborkosten), die der überweisenden Zahnärztlichen Behandlungseinrichtung der Bundeswehr zur Verfügung gestellt wird. Als Formular kann wahlweise der Heil- und Kostenplan der Bundeswehr (Bw-2087) oder ein für den GKV-Bereich geltendes Formular, z. B. der HKP zum Zahnersatz, genutzt werden. Mit der Versorgung darf erst begonnen werden, wenn die bundeswehrinterne Prüfung abgeschlossen ist und ein entsprechender Festsetzungsbescheid vorliegt.

Die Versorgung mit UKPS, die nicht unter die Behandlungsrichtlinie fallen, ist nach GOZ zu berechnen.


Individualisierter Mundschutz
Die Versorgung mit einem individuellen Mundschutz erfolgt wie bisher grundsätzlich nur in der zahnärztlichen Behandlungseinrichtung der Bundeswehr. Anders als in der Vorversion der AR, bei der der Mundschutz beantragt und genehmigt werden musste, gilt jetzt:

Die Versorgung gehört nicht zur unentgeltlichen truppenärztlichen Versorgung (utV), eine Abrechnung zu Lasten der utV ist nicht möglich. Stattdessen wird der Mundschutz bei Bedarf durch den Bundeswehr-Betriebsarzt verordnet.

In der zivilen Zahnarztpraxis kann die Anfertigung eines individualisierten Mundschutzes für einen Soldaten bzw. einer Soldatin auf der Grundlage einer privaten Vereinbarung erfolgen. Der Soldat bzw. die Soldatin sollte sich ggf. vor der Behandlung an die Bundeswehr wenden, um dort eine Verordnung und Kostenerstattung abklären zu lassen.

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