Verordnung von Bagatell-Arzneimitteln

Ab 01.01.1989 dürfen für Versicherte, die das 18. Lebensjahr vollendet haben, sogenannte Bagatell-Arzneimittel nur noch unter ganz bestimmten Voraussetzungen zu Lasten der Krankenkasse verordnet werden. Es handelt sich dabei um Arzneimittel, die üblicherweise bei geringfügigen Gesundheitsstörungen verordnet werden.
Es sind dies in der zahnärztlichen Praxis:
Mund- und Rachentherapeutika, ausgenommen bei Pilzinfektion.
Die Spitzenverbände der Krankenkassen, die Kassenärztliche Bundesvereinigung und die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung haben am 03.03.1983 eine gemeinsame Erklärung herausgegeben, die weiterhin Gültigkeit hat:

"Mund- und Rachentherapeutika sind grundsätzlich bei Erkrankungen des Mund- und Rachenraumes aus der Leistungspflicht der gesetzlichen Krankenversicherung ausgeschlossen. Zur Linderung entsprechender Beschwerden sich lokal anzuwendende Mund- und Rachentherapeutika mit antiphlogistischer, antiseptischer, anästhesierender, adstringierender oder abschwellender Wirkung auf Privatrezept zu verordnen.
Von dem Ausschluß sind lokal anzuwendende Arzneimittel nicht betroffen, die bei ulzerierenden Erkrankungen, nach operativen Eingriffen und bei Pilzerkrankungen im Mund- und Rachenraum verordnet werden. Dies gilt auch für die Verordnung von künstlichem Speichel."

Das bedeutet:
Bei Versicherten ab dem vollendeten 18. Lebensjahr dürfen nur verschreibungspflichtige Mund- und Rachentherapeutika verordnet werden, wenn folgende Indikationen vorliegen:

  • ulzerierende Erkrankungen
  • nach operativen Eingriffen

Mittel bei Pilzerkrankungen im Mund- und Rachenraum (Antimykotika) können unabhängig vom Alter verordnet werden. Hierbei können sowohl verschreibungspflichtige als auch apothekenpflichtige Antimykotika rezeptiert werden (Ausnahmeliste des Gemeinsamen Bundesausschusses vom 16.03.2004).

Bei versicherten Kindern ab dem vollendeten 12. Lebensjahr bis zum vollendeten 18. Lebensjahr ist eine Verordnung von Mund- und Rachentherapeutika ohne die o.g. genannte Indikationseinschränkung zulässig. Es dürfen jedoch auch nur verschreibungspflichtige Arzneimittel verordnet werden.

Bei versicherten Kindern

  • bis zum vollendeten 12. Lebensjahr bzw.
  • Jugendlichen mit Entwicklungsstörungen bis zum vollendeten 18. Lebensjahr

ist eine Verordnung von Mund- und Rachentherapeutika ohne die o. g. Indikationseinschränkungen zulässig. Nur hier dürfen sowohl verschreibungspflichtige als auch apothekenpflichtige Arzneimittel verordnet werden.